Koronare Herzkrankheit: Schützen Omega-3-Fettsäuren vor Folgeerkrankungen?

omega3Nahrungsergänzungsmittel oder andere Produkte mit Omega-3-Fettsäuren bieten Menschen mit koronarer Herzkrankheit keinen zusätzlichen Schutz vor weiteren Herzkrankheiten.

Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die großen Blutadern, die das Herz mit dem lebenswichtigen Sauerstoff versorgen, verengt. Dies ist die Folge von Arteriosklerose, im Volksmund Gefäßverkalkung genannt. Arteriosklerose entsteht, wenn sich infolge kleiner Entzündungen an den Gefäßwänden Fett- und Zellablagerungen absetzen. Eine KHK kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkten.

Neben nachgewiesen wirksamen Medikamenten werden oft auch Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, um das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken. In diesem Text beschreiben wir aktuelle Forschungsergebnisse zu Präparaten mit Omega-3-Fettsäuren.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren finden sich vor allem in Meeresfisch, aber zum Beispiel auch in Raps- oder Leinöl. Sie werden auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln verkauft. Omega-3-Fettsäuren wird eine günstige Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System zugesprochen. Unter anderem wird vermutet, dass sie bestimmte Blutfettwerte positiv beeinflussen, Entzündungen an den Gefäßwänden hemmen und den Blutdruck senken. Für viele dieser Vermutungen gibt es aber keine klaren wissenschaftlichen Belege. Letztlich können nur gut gemachte Langzeitstudien mit vielen Menschen klären, ob Produkte mit Omega-3-Fettsäuren den erhofften Nutzen haben.

Studienergebnisse zu Omega-3-Fettsäuren bei KHK

Eine Wissenschaftlergruppe aus Südkorea hat 14 randomisierte kontrollierte Studien zum Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren zusammenfassend ausgewertet. Randomisierte kontrollierte Studien liefern die sichersten Ergebnisse, wenn es um Fragen zum Nutzen und Schaden von Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln geht.

Insgesamt nahmen über 20.000 Menschen mit einer KHK oder einer anderen Herzerkrankung an den untersuchten Studien teil. Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren beobachtet. Viele der Teilnehmenden nahmen noch andere Medikamente zum Schutz vor Folgeerkrankungen einer KHK ein, wie zum Beispiel Statine(Cholesterinsenker).

Produkte mit Omega-3-Fettsäuren nutzlos

Die Auswertung der Studien lieferte keine Hinweise darauf, dass Präparate mit Omega-3-Fettsäuren das Risiko für Folgeerkrankungen der KHK reduzieren können:

  • Von 1000 Menschen mit KHK, die Produkte mit Omega-3-Fettsäuren einnahmen, trat bei 147 eine weitere Herz-Kreislauf-Erkrankung auf.
  • Von 1000 Menschen mit KHK, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen, bekamen ebenfalls 147 eine weitere Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Es machte also keinen Unterschied, ob die Teilnehmenden Produkte mit Omega-3-Fettsäuren nahmen oder nicht. Auf Basis bisheriger Studienergebnisse gibt es also keinen Anlass, solche Produkte zu sich zu nehmen, um Herzerkrankungen vorzubeugen oder ein Fortschreiten zu verhindern.

Es gibt verschiedene andere Medikamente, die das Risiko für Folgeerkrankungen einer KHK nachweislich senken können. Ausführliche Informationen dazu können Sie im nächsten Gespräch mit Ihrem Arzt oder in einer persönlichen Beratung zu Ihrem Bewegungsprogramm in unserer Akademie erfahren.

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)